Leserbrief zum Ankauf der Ziegelei Groß Weeden

Ziegelei Groß Weeden: Ein Streich! Aber was für einer?

 

Das Amt Berkenthin hat die Ziegelei in Groß Weeden erworben mit der erklärten Absicht dort circa elf Doppelhäuser für Flüchtlingswohnen zu errichten. Daraus ergeben sich eine ganze Menge Fragen und Stolpersteine die zunächst noch gelöst werden müssen.

So liegt das ca. 30.000 Quadratmeter große Grundstück im Außenbereich und zwar teilweise auf Rondeshagener Gebiet und teilweise in Sierksrade. Somit bietet es theoretisch nicht nur Platz für elf Häuser sondern für bis zu 35 Häuser. Diese ist eine Größenordnung, die man nicht einfach ohne sorgfältige Planung bebauen kann. Es müssten also zunächst die Flächennutzungspläne und auch die Bebauungspläne von Rondeshagen und Sierksrade förmlich überarbeitet werden. In diesem Verfahren müsste man die geplante zukünftige Bebauung detailliert planen und darstellen. Ebenso die geplanten Erweiterungen der Ver- und Entsorgungsanlagen. Die Bevölkerung der beteiligten Gemeinden und die Träger öffentlicher Belange sind zu hören. Es handelt sich hier um ein gesetzlich sinnvoller Weise vorgeschriebenes Verfahren, dass auch wenn man es beschleunigt wenigstens ein dreiviertel Jahr dauert.

Bereits bei der Planung und Umsetzung der jetzt geplanten Bebauung kommen erhebliche Kosten auf die beteiligten Gemeinden Rondeshagen und Sierksrade, insbesondere aber auf Sierksrade zu. So müssen etwa die Kläranlage in Sierksrade und auch die Wasserversorgung erweitert bzw. instandgesetzt und ausgebaut werden. Auch die Verfahrenskosten des Verfahrens tragen üblicherweise die beiden Gemeinden, es sei denn über einen städtebaulichen Vertrag beteiligen sich die anderen Amtsgemeinden. Soweit dies zulässig ist. Der Abriss des vorhandenen Gebäudebestandes wird sicherlich 300.000 Euro kosten und auch für die Erschließung des Baugebietes rechnet man ca. 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Auch hier stellt sich die Frage wer die Kosten trägt und wie das finanziert wird. Die Gemeinden Sierksrade und Rondeshagen oder die Gemeinschaft der amtsangehörigen Gemeinden? Auch für die übrige Infrastruktur ergeben sich Folgen. Werden eventuell die Kindergärten in Sierksrade und Rondeshagen ausgebaut werden müssen. Der Kreis wird hoffentlich den derzeit nur unregelmäßig verkehrenden ÖPNV in der Region ausbauen.

So entwickelt man dann mit erheblichen Kosten ein Baugebiet mit dem Potential für ca. 35 Bauplätzen in Sichtweite der Sondermülldeponie Rondeshagen. Da stellt sich mir die Frage wer denn da freiwillig wohnen will wenn er es denn nicht wie die Flüchtlinge für eine gewisse Zeit dies zwangsweise tun muss? Aber selbst diese werden doch sehen so schnell wie möglich dorthin zu ziehen wo es Arbeit gibt und eine familiengerechte Infrastruktur. In Groß Weeden aber ist nichts! Keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Arbeit, keine Schule!

Die weiteren Risiken für die beteiligten Gemeinden und das Amt Berkenthin als Eigentümer der Gebäude bestehen also auch in der Nachnutzung des Geländes bzw. der Gebäude. Für ältere Leute ist der Standort ebenso wenig geeignet wie für junge Familien. Was passiert dort also, wenn die Flüchtlinge diese vorübergehende Unterkunft wieder verlassen haben?

Mit viel Euphorie plant man ein Dorf für Flüchtlinge an einem Standort dessen zukünftige Entwicklung zumindest fragwürdig ist. So geht man vielfältige wirtschaftliche Risiken ein, die man vielleicht zunächst in Ihrer Wirkung nicht bedacht hat.

Auch unter soziale Gesichtspunkten ist dieses Konzept bedenklich. Wie soll eine Integration in der Bevölkerung gelingen, wenn so viele Menschen in einem eigenen Dorf zusammengefasst werden?

Hinnerk Warter
Sierksrade

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 November 2015 14:46