Leserbrief: Und die nächsten drei Bäume sind weg!

Gesthacht. Das beschloss der Bauausschuss am 5. Oktober mit neun Stimmen. Die Grünen protestierten und stimmten dagegen. Weiter beschloss der Bauausschuss auf Empfehlung des Fachdienstleiters für Bauen, als Ersatz für die gefällte Rosskastanie eine Säulenhainbuche zu pflanzen.

Ja, SPD und Grüne entschieden nach der Kommunalwahl 2008, die Fußgängerzone unter Erhalt der damals 69 Bäume umzugestalten. Diese Entscheidung wurde möglich wegen der neuen Mehrheit, die die Wähler SPD und Grünen um der Bäume willen verschafften. Aber die heutige SPD steht weder zum Wählerwillen noch zu ihrer Entscheidung von 2008. Ein CDU-Vertreter sagt im Bauausschuss: „Weg mit dem Baum!“ und schon stimmt die SPD mit ihm gegen die Rosskastanie, ganz nach dem Motto „Geld statt Bäume“ oder „Was schert uns unsere Politik von gestern!“. Die heutige SPD-Fraktionsvorsitzende gehörte im Frühling 2008 zu den engagiertesten Aktivistinnen für den Erhalt der Bäume.

Wegen einer unvermutet im Weg liegenden Wurzel wäre ein zusätzliches Betonelement für die Einfassung notwendig geworden. Das hätte 10400 Euro gekostet. Die Ratsversammlung beschließt mehrere 100.000 Euro an unverhältnismäßigen Mehrkosten für das Betonpflaster, ist aber nicht bereit 10 Tausend in einen Baum zu investieren, der viel mehr wert ist. Die 40-jährige,   völlig gesunde Kastanie stellte einen hohen Wert dar nicht nur wegen ihrer prächtigen Blüte im Frühling, sondern auch wegen all der Schadstoffe, die sie aufnahm und vor denen sie unsere Lungen bewahrte. Die beschlossene Neupflanzung einer Säulenhainbuche für 800 Euro ist nicht hinnehmbar. Wie würde die aussehen neben den anderen drei Rosskastanien dort, oder sollen die auch noch unter Angabe fadenscheiniger Gründe gefällt werden?

Schauen Sie sich doch einmal das baumlose Sachsentor oder den Platz vor dem ZOB in Bergedorf an! Dort stehen in öder Einförmigkeit Säulengingkos. Genau diese langweilige Monotonie wollen wir in Geesthacht aber nicht! Gäste aus Bergedorf oder von anderswo beneiden uns gerade wegen unserer Bäumevielfalt! Seitdem die herrliche Rosskastanie am Nessler-Eck beseitigt wurde, kommt die Hässlichkeit der Kaufhausfassade erst so richtig zur Geltung. Was für eine Einbuße an Wohlfühlqualität für unsere Fußgängerzone!

Die Mehrheit der GeesthachterInnen will auch deswegen den Erhalt aller Bäume, weil sie an heißen Sommertagen wohltuenden Schatten spenden.

Aber die Herren im Bauausschuss scheint nicht zu interessieren wie die Menschen sich in dieser Straße fühlen. Ihnen geht es mehr um die „futuristische“ Gestaltung, will sagen baumfreies Einheitspflaster aus Beton, wie es sich auch in anderen Städten immer mehr ausbreitet (siehe Sachsentor und Bahnhofsvorplatz), statt der norddeutschen Pflasterarten, die bisher in der Einkaufsstraße lagen und viel eher ein norddeutsches Ambiente ausmachen. Es interessiert sie nicht, dass die Mehrheit der Menschen in Geesthacht das neue Pflaster ablehnt. Futuristisch sind auch Designerbäumchen wie die Säulenhainbuche, die jetzt die Kastanie an der Post-Haltestelle ersetzen soll. Nein, an diese Stelle gehört wieder eine Rosskastanie, denn eine Säulenhainbuche blüht nicht und wird niemals eine Krone entwickeln, die den Menschen Schatten spendet!

Zu den elf plus zwei anderen, angeblich kranken Bäumen, die im Laufe des letzten Jahres gefällt wurden: Diese Bäume waren nicht krank, sondern litten an Mangelerscheinungen, weil sie weder gepflegt noch versorgt wurden. Während Mitarbeiter des Bauhofes im Sommer zu dritt eine Straßeninsel auf der Kreuzung Dösselbuschberg/Hansastraße wässern – einer hält den Schlauch, die anderen beiden schauen zu, ob er es auch richtig macht – wurden die Bäume in der Fußgängerzone von den zuständigen Fachdiensten sträflich vernachlässigt, obwohl es eine Selbstverständlichkeit sein müsste, dass die Baumscheiben in sommerlichen Trockenzeiten gewässert werden. Es ist endlich an der Zeit, dass die Fachdienste Umwelt und Bauen in Zukunft den Bauhof regelmäßig mit angemessenen Maßnahmen für die Gesunderhaltung unserer Bäume beauftragen!

Jutta Bellwinkel
Geesthacht