Mittwoch, 22 Februar 2017 14:42

Nullzins-Politik macht auch der Kreissparkasse zu schaffen

Der Vorstandsvorsitzende Rainer Burghardt (r.) präsentierte mit seinen Kollegen (v.l.) Udo Schlünsen, Christoph Herbers und Vorstandsvertreter Tim Faß das Geschäftsergebnis der Kreissparkasse. Der Vorstandsvorsitzende Rainer Burghardt (r.) präsentierte mit seinen Kollegen (v.l.) Udo Schlünsen, Christoph Herbers und Vorstandsvertreter Tim Faß das Geschäftsergebnis der Kreissparkasse. Foto: W. Reichenbächer

Rainer Burghardt: „Höhere Gebühren und Stellenabbau sind unvermeidbar“

 

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Ratzeburg (LOZ). Das abgelaufene Geschäftsjahr der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg war geprägt von den anspruchsvollen Themen „anhaltende Niedrigzinsphase“ sowie „zunehmende regulatorische Anforderungen“. „2016 war für uns ein befriedigendes Geschäftsjahr mit einer soliden Ertragslage. Vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen sind wir mit der Geschäftsentwicklung zufrieden“, fasst der Vorstandsvorsitzende Rainer Burghardt das abgelaufene Geschäftsjahr zusammen.

Bei einer leicht gestiegenen Bilanzsumme auf 3 Milliarden Euro hat die Kreissparkasse ein Betriebsergebnis von 30,4 Millionen Euro erreicht, obwohl der Zinsüberschuss mit 68 Millionen Euro aufgrund der Niedrigzinsphase deutlich unter dem Vorjahr lag. „Durch die erneute Aufstockung des wirtschaftlichen Eigenkapitals auf 352 Millionen Euro incl. der Vorsorgereserven ist die Kreissparkasse solide aufgestellt und damit nach wie vor der starke Partner vor Ort. Das bestätigt auch das weiterhin hohe Kreditvolumen von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2016, was nicht zuletzt eine gute Marktstellung der Kreissparkasse widerspiegelt“, erklärt Burghardt.

Die wohl auch in den kommenden Jahren anhaltende Niedrigzinsphase und der damit verbundene geringere Zinsüberschuss haben bereits Auswirkungen auf die Geschäftspolitik des vergangenen Jahres gehabt. Eine Folge daraus war auch die Anpassung der Gebühren für Girokonten und Kreditkarten. „Ungebrochen ist das Vertrauen unserer Kunden in unsere Kompetenz. So ist, auch wenn hauptsächlich täglich fällige Produkte angeboten werden, eine Steigerung der Einlagen im Privatkundensegment um 3,5 Prozent zu verzeichnen“, so Rainer Burghardt. Dabei akzeptieren die Kunden die Nullzins-Politik, scheuen aber weiterhin die Risiken von Aktienanlagen oder aktiennahen Produkten, die gerade in dieser Zeit erhebliche Dividendenerträge generieren könnten. Die Scheu vor Risiken ist nach wie vor größer als der Wunsch nach Erträgen. Sicherheit wird von 57 Prozent der Kreissparkunden als Anlagemotiv genannt.

Für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und den Landesbanken hat die Kreissparkasse im Jahr 2016 allein 277.000 Euro an Zinsen gezahlt. Durch erhöhte Einlagenzufuhr und die Reaktionen der Mitbewerber war die KSK gezwungen, bereits ab Herbst 2016 Kommunen Verwahrentgelte in Rechnung zu stellen. Im Jahr 2017 wird das auch für Firmenkunden ein Thema sein. „Unser Bestreben ist weiterhin, die Negativzinsen nicht auf den Privatkundenbereich auswirken zu lassen, solange es wirtschaftlich möglich ist. Hier entsteht eine politisch erzwungene Schieflage, die wir versuchen, im Sinne unserer Kunden zu lösen“, sagt Rainer Burghardt. Die Kreissparkasse selber muss 0,4 Prozent Zinsen bei ihren Einlagen zahlen. „Durch die Nullzins-Politik und steigende Inflation haben wir derzeit eher eine Entwertung des Geldes“, so Vorstandsmitglied Udo Schlünsen. Vorstandskollege Christoph Herbers ergänzt, dass man daher bemüht sei, Alternativen aufzuzeigen. „Ich investiere zum Beispiel selber in Aktienanleihen“, erklärt Rainer Burkhard und ergänzt, dass er sich wundere, dass die Bevölkerung die Politik so hinnimmt. „Dadurch geraten die ganzen Rentenpläne in Gefahr. Während die nördlichen EU-Länder unter der Politik leiden, profitieren die südlichen EU-Länder“. Es sei daher wichtig, weiter in Sachwerte zu investieren.

Ein positiver Effekt der niedrigen Zinsen ist die ungebrochene Nachfrage im Kreditbereich. Aufgrund einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung in der Region wurden hierfür weder Risiken noch Wertberichtigungsbedarf ermittelt. Allein für 44 Existenzgründungen wurden 9,6 Millionen Euro bewilligt. 106 Millionen Euro für private Baufinanzierungen in 2016 bildeten einen wichtigen Bestandteil des Kreditwachstums und zeigen den deutlichen Trend zu Investitionen in Sach- und Immobilienwerte.

Auch hier hat die Politik durch die Einführung der „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“ erheblichen Einfluss zu Lasten der Kunden genommen. Was ursprünglich als Verbraucherschutz gedacht war, schließt heute viele vom Erwerb einer Immobilie aus. „Wer zum Beispiel über 50 Jahre ist muss nachweisen, dass er später auch genug Rente bekommt“, so Burkhardt. Viele Immobiliengeschäfte würden durch die neue Richtlinie nicht mehr zustande kommen. „Eigentlich sollte man jetzt bei der Lage in Sachwerte investieren, doch vielen Bürgern wird das durch die Richtlinie verwehrt, obwohl die nötige Liquidität da wäre“, wundert sich Burghardt. „Mit der EU Richtlinie hat man Probleme lösen wollen, die es gar nicht gab. Jetzt haben wir aber ein Problem“, ergänzt Schlünsen.

Das gute Maklergeschäft mit 241 vermittelten Objekten und einem Volumen von 47 Millionen Euro gegenüber 42 Millionen Euro aus dem Vorjahr ist wieder beachtlich. Eine gesunde Basis für das Immobiliengeschäft der Zukunft schafft auch die Lauenburgische Sparkassen Immobiliengesellschaft mbH, die mit einem Partner ein vielversprechendes Baugebiet in Escheburg mit ca. 150 Grundstücken erworben hat, das ab 2018 vermarktet wird.

„Beim Thema Digitalisierung nehmen wir eine zunehmende Akzeptanz für flexible und mobile Banking-Lösungen bei unseren Kunden wahr. Die Bankgeschäfte werden großenteils online erledigt und das mittlerweile häufig von Tablet und Smartphone. Dieser Entwicklung haben wir mit der Einführung der neuen InternetFiliale 6.0 Rechnung getragen. Papiergebundene Kontoauszüge werden sich auf lange Sicht durch das Elektronische Postfach erübrigen, was 41 Prozent der Kontoinhaber gegenüber 17 Prozent im Vorjahr eingerichtet haben. Gerade in diesem Punkt verbindet sich optimale Umsetzung digitaler Lösungen zum Wohle unserer Kunden mit nachhaltigem Handeln“, freut sich Burghardt über die Entwicklung.

Für 2017 liegt das Hauptaugenmerk der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg aufgrund der Prognose anhaltender niedriger Zinsen und damit niedriger Erträge auf der Minimierung von Sach- und Personalkosten. „Dabei können wir dank unserer guten Ausgangslage mit solidem Eigenkapital und ordentlicher Ertragslage sehr strukturiert und im Sinne unserer Mitarbeiter und Kunden vorgehen. Wir haben etwas mehr Zeit als andere Mitbewerber, um auf die Entwicklung reagieren zu können“, so Burghardt. In den kommenden fünf Jahren soll es aber einen Stellenabbau geben. „Da wollen wir aber nicht mit der Brechstange bei. Wir werden aber künftig mit weniger Personal auskommen müssen“, bedauert Burghardt. Wie der Stellenabbau genau aussehen wird, wird derzeit ermittelt. Als einer der größten Arbeitgeber in der Region beschäftigt die Kreissparkasse 653 Mitarbeiter und 56 Auszubildende.

Eine weitere Stellschraube ist die Nutzung der fortschreitenden Digitalisierung, die sich am Kundenverhalten orientiert und die Arbeitswelt der Mitarbeiter optimiert und verändert. „Mehr Flexibilität und Mobilität eröffnet uns und unseren Kunden Möglichkeiten, die wir nutzen wollen“, so Vorstand Udo Schlünsen.

Auch der Nau- und Umbau der Filialen schreitet voran. Derzeit betreibt die Kreissparkasse 18 Filialen und 16 SB-Filialen ohne Personal. In Büchen ist die alte Zweigstelle bereits abgerissen, und ein provisorischer Neubau auf dem Grundstück entstanden. Bis Mitte 2018 soll das neue Gebäude dort stehen. Vorrang haben aber die Räume der Mieter, die Kreissparkasse selber wird wohl erst im Herbst dort einziehen. In Lauenburg gibt es weitere Verzögerungen, da die Kreisparkasse noch weitere Grundstücksflächen ankaufen möchte, bevor dort gebaut werden soll. In Schwarzenbek laufen bereits die Planungen für eine neue Zweigstelle am Lupus Park. Sie soll an der Ecke Hans-Koch-Ring und Möllner Straße (B207) entstehen. Geplant ist ein Gebäude das auch Platz für Mieter wie Ärzte oder Geschäfte biete.

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