Liebe Leser,

in dieser Kategorie dreht sich alles um die plattdeutsche Sprache. Dabei müssen nicht unbedingt alle Texte auf Platt sein, wenn sie sich mit dem Thema befassen. Es wird aber hauptsächlich Kurzgeschichten und auch Gedichte geben. Und bei einigen Texten wird es auch eine Übersetzung in das Hochdeutsche geben.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen

Sonntag, 04 Dezember 2016 15:21

Dörch dat Johr

von Friedrich Schnoor 1908

ln'n Januor, denn dohn wi still
Noch hinnern Aben sitten,*1
Denn buten is noch nich veel los,
Blot freeren deiht't bi lütten.

ln`n Februor, denn geiht dat meist
Mit ls un Snei tohopen,*2
Denn hebbt wi ok keen Lust un Tied,
Opn Acker rümtolopen.

Doch kümmt in`n März de Sünn herrut,
Dann möt wi uns fix rögen,*3
Denn heit dat, för de Sommersoot
To ackern un to plögen.

Un ín'n April ward't höchste Tied,
De Saaten uttoseien,
Wennt twüschendörch man regen deiht,
Denn lot den Wind man weihen.

Un denn, denn geiht dat Hoffen an
Den Mai, den Juni öwer;
leew Herrgott, pleg uns unse Saat*4
Un hal se glücklich röwer!

Wenn denn in`n Juli un August
Wi willn uns` Kurn inführen,
Denn schenk, leev Gott, schön Weder uns,
Wi willn uns denn woll röhren.

September un Oktober, na -
Denn sünd wi all bin`n Döschen,*5
Un bi de Austköst dohn wi uns*6
Ja denn ok en'n verlöschen.*7

Un denn, denn heit bi lütten dat,
De Wintersaat bestellen,
Un kuum gescheihn, denn deiht sick all
De Winter wedder mellen.

In`n Handümdreihen is he dor
Mit siene Wiehnachtsfreuden! -
Nu kummt dat ne'e Johr heran
Un bringt ok manchmol Leiden.

Leew Herrgott, wenn Du dat so künnst,
Mehr Freud uns jetzt to geben,
Denn dankt wi Di ut Hartensgrund
Un lot dat Neejohr leben!

*hinnern Aben sitten-hinter dem Ofen sitzen
*2 tohopen-zusammen(sitzen)
*3 fix rögen-schnell,möglichst viel machen(arbeiten)
*4 pleg-pflegen (z.B. die Gemütlichkeit)
*5 Döschen-Dreschen
*6 Austkost-Feier nach der Ernte(Erntedank)
*7 verlöschen (etwas mehr als normal "trinken"

Durch das Jahr

(Wörtlich übersetzt)

Im Januar, dann tun wir still
Noch hinter`m Ofen sitzen,
Denn draußen ist noch nicht viel los,
Bloß frieren tut es bei kleinem.
(Bloß frieren tut es ein bisschen)

Im Februar, dann geht es meist`
Mit Eis und Schnee zusammen,
Dann haben wir auch keine Lust und Zeit,
Auf dem Acker rumzulaufen.

Doch kommt im März die Sonne heraus,
Dann müssen wir uns ordentlich rühren,
Dann heißt es für die Sommersaat
Zu ackern und zu pflügen

Und im April wird`s höchste Zeit,
Die Saaten auszusäen,
Wenn`s zwischendurch man regnen tut,
Dann lass den Wind man wehen.

Und dann, dann geht das hoffen los
Den Mai den Juni über;
Lieber Herrgott pfleg` uns unsere Saat
Und hol sie glücklich rüber!*
*(Und laß sie gut gedeihen)

Wenn dann im Juli und August
Wir wollen unser Korn einfahren,
Dann schenk, lieber Gott, schön` Wetter uns,
Wir wollen uns dann schon rühren.

September und Oktober, na-
Dann sind wir schon am Dreschen,
Und bei`m Ernte-Dank tun wir uns
Ja dann auch einen verlöschen*

Und dann, dann heißt bei Kleinem es,
Die Wintersaat bestellen,
Und kaum geschehen, dann tut sich schon
Der Winter wieder melden.

Im Handumdrehen ist er da
Mit seinen Weihnachtsfreuden! -
Nun kommt das neue Jahr heran
Und bringt auch manchmal Leiden.

Lieber Herrgott, wenn Du das so kannst,
Mehr Freude uns jetzt zu geben,
Dann danken wir Dir aus Herzensgrund
Und lassen das Neujahr (hoch)leben!

*verlöschen, ordentlich einen Heben, mehr als „normal“ trinken

Letzte Änderung am Sonntag, 04 Dezember 2016 15:23

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