Liebe Leser,

in dieser Kategorie dreht sich alles um die plattdeutsche Sprache. Dabei müssen nicht unbedingt alle Texte auf Platt sein, wenn sie sich mit dem Thema befassen. Es wird aber hauptsächlich Kurzgeschichten und auch Gedichte geben. Und bei einigen Texten wird es auch eine Übersetzung in das Hochdeutsche geben.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen

Mittwoch, 26 Oktober 2016 19:06

Johann sien Exomen bie de Isenbohn

Johann sien Exomen bie de Isenbohn

Von Friedrich Schnoor,- Hamburg 1908

Johann de weer een Scheeperknech,
Wull ok nicks anners sien.
Eers harr he`d mit de Göös versöch
Un dorop mit de Swien.
Noher weer bie de Schoop he gohn;
Harr sick bannig arrangseert!
He kreeg ok man`n lütten Lohn,
weer dumm un harr nicks lehrt.

Nu weer Johann to Stadt mol gohn
Un seet in`n Kroog un zech.
Dor heur he, dat bie de Isenbohn
Wörn` Weekensteller söch.
„Dor geihst Du henn,“ see he sick gliek
un deihst dor forts die melln.
Denn geihst du ümmer fien in Tüch
Un deihst Beamter speeln.

He geiht denn henn ok no de Bohn,
Um sick dor vörtostelln
Geiht rin no de Enspecktion
Un deiht sick dor nu melln.
De Herr Enspeckter seggt „Is god“
Un neudigt gliek em dohl;
Drückt forts em`n Fedder in de Poot,:
Hier schrieben`s ehrn Nomen mol!

Johann künn woll mit Schoop ümgohn,
dorin weer he woll klook;
Von`d Schrieben deh he nicks verstohn,
dat weer denn doch son Sook!
He mool denn ok sien`n Nomen henn,
Wör alls krumm un scheew;
Vergeet ok richdig noch een „N“
As he sien`n Vörnom`n schreew.

„Ich denk Ihr Name ist Johann?“
seggt de Enspeckter blot.
„Och, op een`n Bookstoben kümmt nich an.“
Antwurt uns` Kannidot.
„Nun gut! Denn woll`n wir weitersehn.“
Un krigg een Book nu her;
„Nun woll`n wir mal mit lesen sehn,
Lesen Se mie mol wat vör.“

Nu füng to lesen an de Knech,
`t Güng langsoom man un sach.
He stohmer sick dor wat torech,
Dat de Enspeckter lach.
He nimmt dat Book em weg dorop
Uns seggt: „Nu, dat is god!
Se holln dat Book jo öberm Kopp
Se sünd mi ok een Moot!“

Denn wölt wie`d mol mit Reeken sehn!
Wat is de Hälft von Fiew?“
Johann künn nich dat Eenmoleen
Un Dach: „Nu holl Di stiew!
Tweemol weer`d god, sünst geiht verquer,
Denn krigg tofoot die he!
Twee sünd nich noog.—sech leeber mehr;
„Herr Enspeckter,“ seggt he „Dree!“

„Drei ist die Hälfte von fünf?—Ist schön!“
seggt de Inspeckter nu.
„Na, wir sind fertig! Sie können gehen!
Bescheid schicken wir Ihnen zu.“—
Johann de geiht ok ut de Döhr
Un ward to Huus nu gohn.
In`d ganze Dörp prohlt he ümher :
He keum nu bi de Isenbohn!

Sien Prüfung harr he awleggt all,
Dor weer nicks mehr in`n Wegg;
Anstellt wör he op jeden Fall
Harr de Enspeckter segg!
De harr em bannig prüft dor ok,
Dat Exomen dat weer sweer!
Doch he weer ehr jo veel to klook!
Wenn he ok eenen`n Scheeper weer.

Tweemol harr he mit „god“ bestohn,
Eenmol sogor mit ,,schön”!
Nu wör he mit blank Knööp bald gohn!
So stünn Johann un dröhn.
„Minsch!“ seggt een von de Knechts to em
„Büst Du eers dor, Johann,
Un wöölt`s noch mehr son Döösköpp hemm,
Denn meld`s mi ok mit an!“

Johann de teuwt un teuwt un teuwt,
Jetzt all` ne Johrestied,
Op den`n Bescheed vun de Isenbohn
Blots funn se em woll nich.
Bi siene Schoop weer he togang`n
so god as wi bither
Se nenn`n em öberall ok gliek
denn` „Isenbohnscheeper“ Johann!

 

Johann sein Examen bei der Eisenbahn

Übersetzt von Freddy Schnoor 2016

Johann der war ein Schäferknecht
Wollt auch nichts anderes sein
Erst hat er’s mit den Gänsen versucht
Und darauf mit den Schwein`n.
Nachher war zu den Schafen er gegangen;
Hatte sich dabei sehr arrangiert!
Er bekam auch nur einen kleinen Lohn,
War dumm und hatte nichts gelernt.

Jetzt war Johann in die Stadt mal gegangen
Und saß in der Kneipe und trank.
Dort hörte er das bei der Eisenbahn
Wurden Weichensteller gesucht.
„Da gehst Du hin,“ sagt er sich gleich
und tust sofort dich melden.
Dann gehst du immer fein in Zeug
Und kannst Beamter spielen.

Er geht dann hin auch nach der Bahn,
Um sich dort vorzustellen.
Geht rein nun in die Inspektion
Und meldet sich nun dort.
Der Herr Inspektor sagt „Ist gut“
Und bittet ihn auf einen Platz;
Drückt gleich Schreiber ihm in die Hand:
Hier schreiben Sie Ihren Namen mal!

Johann konnte wohl mit Schafen umgehn,
darin war er wohl klug;
Vom Schreiben tat er nichts verstehn,
das war denn doch solche Sach`!
Er malte denn auch seinen Namen hin,
war alles krumm und schief;
Vergaß auch richtig noch ein „N“
Als er seinen Vornamen schrieb.

„Ich denke Ihr Name ist Johann?“
sagt der Inspektor bloß.
„Ach auf einen Buchstaben kommt`s nicht an.“
Antwortet unser Kandidat.
„Nun gut! Denn woll`n wir weitersehn.“
Und kriegt ein Buch nun her;
„Nun wollen wir`s mal mit lesen sehn,
Lesen Sie mir mal was vor.“

Nun fing er zu lesen an der Knecht,
Es ging langsam man und sacht`.
Er stammelte sich was zurecht,
Das der Inspektor lacht.
Er nimmt das Buch ihm weg darauf
Und sagt: „Nun, das ist gut!
Sie halten das Buch ja über Kopf
Sie sind mir ja ein Maat!“

Dann wollen wir`s mal mit Rechnen sehn!
Was ist die Hälfte von fünf?“
Johann konnt` nicht das Einmaleins
Und dacht` nu halt dich steif!
Zweimal war`s gut, sonst geht es schief,
Denn sonst erwischt er Dich!
Zwei sind nicht genug,--sag lieber mehr;
„Herr Inspektor,“ sagt er „Drei!“

„Drei ist die Hälfte von fünf?—Ist schön!“
sagt der Inspektor nu.
„Na wir sind fertig! Sie können gehen!
Bescheid schicken wir Ihnen zu.“—
Johann der geht auch aus der Tür
Und wird nach Haus nun gehen
Im ganzen Dorf prahlt er herum:
Er kommt zur Eisenbahn

Die Prüfung hätte er abgelegt,
Da ist nichts mehr im Weg;
Angestellt wird er auf jeden Fall
Hätte der Inspektor gesagt
Der hat ihn viel geprüft dort auch,
Das Examen das war schwer!
Aber er war ihnen ja viel zu klug!
Wenn er auch nur ein Schäfer wär.

Zweimal hätte er mit „gut“ bestanden,
Einmal sogar mit „schön“!
Nun würd` er bald mit blanken Knöpfen geh`n!
So stand Johann und dröhnt.
„Mensch!“ sagt einer von den Knechten zu ihm
„Bist Du erst da, Johann,
Und wollen noch mehr solche Dummen haben,
Dann meld mich auch mit an!“

Johann wartet und wartet und wartet,
Jetzt schon ne` Jahreszeit,
Auf den Bescheid von der Eisenbahn,
Bloß fanden sie ihn wohl nicht.
Bei seinen Schafen war er zugang`,
So gut als wie bisher.
Sie nannten ihn überall auch gleich
den „Eisenbahnschäfer“ Johann!

Letzte Änderung am Donnerstag, 03 November 2016 17:59

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